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Der uralte Übergang über dem weiten Talkessel der Rauhen und Mittleren Ebrach zwischen Burgebrach und Grasmannsdorf - bis in die zeit des Mittelalters Teil einer Altstraße - ist noch heute ein markantes Zeugnis in der Landschaft, ausgezeichnet durch eine bemerkenswerte Zahl von Heiligenfiguren.

Das eigentliche Kernstück dieser Talüberspannung war die Brücke. Brücken waren meist sehr gefährdete künstliche Straßenbauwerke, sie galten aber auch stets als Tummelplätze von Hexen und Geistern. Deshalb wurden sie auch bei uns seit der christlichen Missionierung besonders unter himmlischen Schutz gestellt. Neben dem Kreuz waren es vor allem Schutzheilige, die Brücken und Brückenbenutzer vor Schaden bewahren sollten. Bevorzugte Brückenheilige waren u.a. Petrus, Nikolaus, Christopherus und auch Johannes Nepomuk.

An der alten Ebrachbrücke hat sich diese Überlieferung und Praxis in unserer Gegend beispielhaft erhalten. Man darf sicher annehmen, daß seit dem 12. Jahrhundert dort eine Nikolausstatue den ältesten Brückenheiligen in unserer Gegend repräsentiert hat. Jahrhunderte später erst wurde der Prager Märtyrer Johannes Nepomuk auf Grund seines Foltertodes ( Sturz in die Moldau ) zum beliebtesten Wasser- und Brückenpatron. So wird er auch an der Ebrachbrücke Schutzherr.

Erst im 18.Jahrhundert entsteht die glanzvolle Reihe der Grasmannsdorfer Brückenheiligen, wie sie sich noch heute, nach bald 250 Jahren, guterhalten darstellt. Der "alte" und der "neue" Brückenheilige nick Nikolaus und Johannes Nepomuk erhielten in den Jahren zwischen etwa 1715 und 1740 noch fünf weitere Heilige dazu, nämlich Kilian, Vitus, Wolfgang, Heinrich und Otto. Sie begegnen uns nicht als ausgesprochene Brückenheilige. Wohl aber sind sie Zeugen für die Geschichte dieses Landes; Kilian ist der Patron des Bistums Würzburg, Vitus der Patron der Pfarrei Burgebrach. Bis zum Jahre 1810 gehörte die große Pfarrei Burgebrach zur Diözese Würzburg. In Kilian und Vitus begegnen wir also den beiden kirchlichen Schutzheiligen dieses Landstriches.

Politisch gehörte diese Gegend seit dem späten Mittelalter zum Hochstift Bamberg. Der Gründer des Bistums, der hl. Kaiser Heinrich und der wichtigste mittelalterliche Fürstbischof, der hl. Bischof Otto, bekunden die staatliche Gewalt. Keineswegs als Einzelgänger steht daneben der hl. Wolfgang. Er erscheint vielmehr als geistiges Bindeglied der ganzen Heiligenreihe; Wolfgang war als junger Priester in Würzburg tätig, als späterer Bischof von Regensburg war er einer der Lehrer Heinrichs II. Unter ihm wurde Böhmen aus dem Regensburger Sprengel ausgegliedert und Prag zum Bistumssitz bestimmt. In der Volksfrömmigkeit schließlich wurde er vom Ausgang des Mittelalters bis ins 18.Jahrhundert zu einem der großen Heiligen unserer Heimat.

Schließlich könnte man die Grasmannsdorfer Brückenheiligen in ihrer 7-Zahl noch zusammenklammern als bedeutungsvolles Element in der Reihe der Zahlensymbolik ( siebenarmiger Leuchter, 7 fette und 7 magere Jahre oder im Neuen Testament und der christlichen Tradition: Bitten des Vaterunsers, Zahl der Tugenden, der Sakramente, der Gaben des heiligen Geistes, der Werke der Barmherzigkeit u.a. )

Für viele unserer Zeitgenossen sind diese Heiligen an der alten Ebrachbrücke in ihrer Aneinanderreihung kaum mehr als eine merkwürdige, vielleicht auch zufällige Aufführung von Heiligen, mehr als Kunstwerke bedeutsam, denn als Aussagen geschichtlicher Zusammenhänge. Dies aber darf eine Zeit, die sich anschickt, Denkmale zu erhalten und zu pflegen, nicht übersehen. (Dr. Bruno Neundorfer, 1975)